Theodor-Heuss-Realschule
Lüdenscheid

Billa, Silvio und ein versöhnliches Ende im Krankenbett. • Foto: Rudewig
Von Jutta Rudewig
LÜDENSCHEID Momtel bedeutet „Moment, ich muss mal telefonieren", MOF hingegen „male or female" (männlich oder weiblich). Da gibt es „Sabbelbacke", „Kissmy-Body" und. natürlich die Abkürzung „CS" für Cybersex. Die Gespräche, die man so kaum nennen möchte, sind gespickt mit allen Fehlern und Abkürzungen, die in der deutschen Sprache nur annähernd möglich sind. Und doch: War der Geräuschpegel der Realschulklassen bei der gestrigen Aufführung von „Zartbitter" aus Köln einer Theatervorstellung im Kulturhaus nicht angemessen, so konnte man schlagartig eine Stecknadel fallen hören, als Protagonist Silvio zu chatten begann...
„Zartbitter" hatte mit dem Präventionstheater „Click it" alles andere als ein langweiliges Lehrstück mitgebracht. Alexe Limbach (Billa) und Massimo Tuveris (Silvio) nahmen gemeinsam mit „Captain Careless", stilvoll im Matrix-Reload-Mantel mit dem überdimensionierten @ auf dem Rücken als verbindender Erzähler die Jugendlichen mit in eine nur allzu bekannte Welt: Silvio als kontakt- und emotionsarmer Hobbybastler und die kriti-
sche Mitschülerin Billa arbeiten mehr oder weniger gemeinsam an einem Schulprojekt. Entspannung sucht Silvio im Chatroom, wo er mit seinen persönlichen Daten so unbedarft umgeht, dass er rasch zum Opfer dubioser Mit-Chatter wird und die Konfrontation mit Pornogra-
fie erfährt. Das Treffen in der realen Welt eskaliert schließlich und bringt nicht nur Silvio, sondern auch Billa in höchste Gefahr.
Immer mal wieder sah man in den Reihen der jungen Theaterbesucher Köpfe zustimmend nicken. Der leichtfertige Umgang mit Namen und Adressen bis hin zum eigenen Foto •m persönlichen Profil des Chatrooms war ihnen sehr wohl bekannt. Ebenso deutlich wie behutsam führten die Schauspieler den Schülern vor Augen, wie bedrohlich eine persönliche Begegnung werden kann, wenn die Rose im Knopfloch überflüssig wird, weil man sich ja freiwillig mit einem Porträt von sich im weltweiten Datennetz vorstellt. Comedy-Elemente und flotte Sprüche sorgten innerhalb des einstündigen Stücks dafür, dass die Jugendlichen aufmerksam blieben. Im Anschluss an das Stück standen die Schauspieler für Fragen und Antworten bereit.

Aussage kräftige Nic-Names wie „Kiss-my-body" waren den jungen Leuten wohl bekannt. Und so manchen sah man bei Chats wie diesem wissend nicken.