Schlichten statt bestrafen

 

Streit an der Theodor-Heuss-Realschule mit fast 800 Schülem im Alter zwischen 10 und 18 Jahren ist schon fast so normal wie die täglichen Hausaufgaben. "Oft geht ein Drittel der Unterrichtsstunde dafür drauf, kleine Streiterein zwischen Schülern zu schlichten", berichtet Lehrer Ludger Schäfer, der aus diesem Grund gemeinsam mit seinem Kollegen Thomas Schwarze die Streitschlichterorganisation ins Leben gerufen hat. "Als Lehrer ist es meine Aufgabe, den Schülern etwas beizubringen und nicht die Funktion des Richters zu übernehmen, wenn es zu Konflikten kommt", fährt er fort, "zumal man als Lehrer meistens eh nur mit einer Rüge bestraft, anstatt auf den Vorfall richtig einzugehen". Ab kommender Woche braucht er dieses auch nicht mehr, denn dann beginnt der Einsatz des Streitschlichterteams. Die Streithähne haben ab dann die Möglichkeit, jeweils in der ersten sowie donnerstags und freitags auch in der zweiten großen Pause freiwillig den Streitschlichterraum aufzusuchen, wo ein Streitschlichterteam bestehend aus zwei der angelernten Schülern anzutreffen sein wird. Sachlich sollen beide Parteien den Vorfall aus ihrer Sicht schildern. Die Schlichter werden versuchen, der Ursache des Konfliktes auf den Grund zu gehen. Ziel ist, gemeinsam mit den zwei Streitschlichtern einen Vertrag aufzusetzten, in welchem die vorgeschlagene Lösung der Streitenden festgehalten ist.

Ins Rollen kam alles vor ungefähr einem halben Jahr, als die Klassenlehrer der Stufen neun und zehn auf Bitte von Ludger Schäfer zwei Schüler aus ihrer Klasse ausgewählt haben, die sie für geeignet hielten, zukünftig als Streitschlichter der Schule tätig zu sein. Entstanden ist eine Truppe von 15 Jungen und Mädchen, die intensiv auf ihre neue Aufgabe vorbereitet wurde. In zahlreichen Treffen diskutierten und überlegten sie gemeinsam mit ihren Lehrern Schwarze und Schäfer, wann ein Konflikt anfängt, wie man die Ursachen erkennen kann und wann ein Fall direkt an die Schulleitung weitergeggeben werden sollte. Alle sind sich einig, dass auch sie nicht die Funktion eines Richters übernehmen sollten, sondern eher die eines neutralen Talkmasters, der sich den Vorfall von beiden Seiten aus unvoreingenommen anhört. Die Schlichter werden gut vorbereitet an ihre neue Aufgabe gehen, sie haben etliche Rollenspiele inszeniert um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Doch lohnt sich wohl der ganze Aufwand? Die Schlichter blicken skeptisch in die Zukunft, sind sich nicht sicher, ob überhaupt jemand das Angebot der Streitschlichtung annehmen wird. Am besten wär's ja eh, wenn sie gar nicht gebraucht würden. Das wäre einfach schlicht gut.

 

Lisa Schubert

 

Die folgenden Bilder stammen von einem Wochenendlehrgang, an dem die Streitschlichter auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden:

 

Gemeinsam beraten I Gemeinsam beraten II Auch Spaß gehört dazu ... und am Ende Ordnung machen.

 

Mit diesem Brief an die Eltern der Schülerinnen und Schüler in den Klassen 5 -7 wurde den Eltern das Streitschlichterprogramm der THR vorgestellt.

 

Janina Schmidt berichtet nach einem Jahr Erfahrung als Streitschlichterin von ihrer Arbeit in diesem Projekt: Ihr Erfahrungsbericht!

 
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© Theodor-Heuss-Realschule, Lüdenscheid