Theodor-Heuss-Realschule
Lüdenscheid

300 Schüler und Schülerinnen erlebten ein kurzweiliges Theaterstück und einen Blitz-Workshop. Fotos: Fischer-Bolz
Von Susanne Fischer-Bolz
LÜDENSCHEID Kopf nach unten, Blick auf den Teppich. Zögernd schleicht man zum Stuhl, wagt es nicht, dem Boss in die Augen zu schauen. Schon bei der Begrüßung hat man ein schlaffes Händchen entgegen gestreckt. Was passiert wohl in den nächsten Sekunden? Man hat den Ausbildungsplatz (höchstwahrscheinlich) nicht bekommen. Aber wie geht es besser? Wie funktionieren ein guter Auftritt und gutes Benehmen? Fällt „gutes Benehmen" in die Kategorie antiquiert?
300 Schüler und Schülerinnen der Jahrgangsstufen 9 der Albert-Schweitzer-Hauptschule, der Schule Stadtpark und der Theodor-Heuss-Realschule wissen es jetzt - zumindest sind sie auf dem Weg zur Erkenntnis. Jasmin ist eine von ihnen - eine, die sich traute, auf der Bühne in der Aula des Berufskollegs am Raithelplatz eine höchstpersönliche „Anleitung für ein Bewerbungsgespräch" zu genießen.
Ihr Trainer: Werner Hahn, Leiter des Hagener Kinder-und Jugendtheaters Lutz. Er schlüpfte am Dienstag zunächst beim Theaterstück „Hey Boss - hier bin ich" in die Rolle des Firmenchefs Friedrich Hauptmann. Als Boss quälte er sich mit zwei Bewerbern um einen Ausbildungsplatz. Da kam zum einen Fräulein Kowalski mit einem fetten Döner zum Gespräch. Sie duzte den Boss gleich und telefonierte zwischendurch mit ihrer Mutter. Ihr Mitbewerber Robert Hirsch war unpünktlich und benahm sich dann wie „der letzte Tonti". Ein überzeichnetes Spiel? Keine Frage. Auch, dass der Boss verzweifelte und irgendwelche Tabletten schluckte, war deutlich an den Haaren herbeigezogen. Was beim Publikum ankam, war jedoch die realistische Einschätzung, dass ein jeder auf dem Weg in die Berufswelt seine „beste Seite" zeigen sollte.
Und eine so genannte „beste Seite" ist die, die andere als solche erkennen wollen. Kann ich dem Chef in die Augen sehen? Habe ich mich mit dem Unternehmen im Vorfeld auseinander gesetzt? Komme ich mit einer abgerissenen Jeans und Piercings oder guck' ich mal im Schrank, ob sich etwas anderes findet?
„Ein Bewerbungsgespräch entscheidet sich in den ersten Sekunden", brachte es Theaterleiter Werner Hahn sodann auch auf den Punkt. „Aber wir Erwachsenen haben euch nicht beigebracht, wie man respektvoll miteinander umgeht. Und wenn wir schlechte Vorbilder sind, wie sollt ihr es dann besser machen?", versuchte er Probleme im Umgang miteinander auf andere Schultern zu verteilen. Tatsache ist, dass schon vermeintliche Kleinigkeiten über „Sein oder Nichtsein im Betrieb" entscheiden können. Und besagte Kleinigkeiten beginnen mit der Bewerbung. „Bitte, bitte kümmert euch auch um anständige Fotos", meinte Werner Hahn fast flehend.
Ob es angekommen ist? Bestimmt. Die Kombination Theaterstück und anschließender Workshop auf der Bühne mit Leuten aus dem Publikum ist eine gute Alternative zu trockener Theorie, eine kurzweilige und amüsante Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Organisiert hatten diesen Vormittag die Wirtschaftsjunioren Lüdenscheid, ein Zusammenschluss heimischer Unternehmer und Führungskräfte. „Hey Boss -hier bin ich" war der Auftakt einer Reihe von Initiativen, um Orientierung zu bieten und Spaß an der Arbeit zu vermitteln.
LN 11.10.2007

Werner Hahn spielte den Firmenchef Friedrich Hauptmann