Theodor-Heuss-Realschule
Lüdenscheid
Der Großteil der Schüler der 9c zog ein positives Fazit nach den Betriebspraktika.
LÜDENSCHEID ¦ Marco ist sogar ein wenig neidisch auf seine Freunde, die Hauptschulen besuchen. Der Neuntklässler der Lüdenscheider Theodor-Heuss-Realschule (THR) ist gerade nach drei Wochen in der „Arbeitswelt" wieder im Schulalltag angekommen: 112 Mädchen und Jungen der Schule am Wefelshohl haben ihre regulären Betriebspraktika absolviert. Auch wenn ein großer Teil der Klasse 9 c zum Beispiel gute Erfahrungen ge-macht hat, gab es im Gespräch mit Pinnwand ebenfalls Stimmen, die sich weitere Praktika wünschten. „Andere Schulen haben zwei oder drei Praktika", meinte Marco.
Marco hat gelernt,
dass die Arbeit eines Malers
nicht immer leicht ist.
THR-Lehrer Thomas Schwarze nahm das mit einem Lächeln zur Kenntnis. Schließlich sah er sich in seinem Eindruck bestätigt, dass das Praktikum für viele junge Leute einen Höhepunkt ihrer bisherigen Schullaufbahn darstellt. „Bei den meisten ist es die erste Erfahrung mit der Arbeitswelt, und sie stellen fest, dass es nicht immer nur Spaß ist", sagt der Lehrer, der die Aufenthalte in den Betrieben zusammen mit seinem Kollegen Ernst Woeste koor-diniert.
Ausdrücklich lobt Schwarze die Eigeninitiative, die die Jugendlichen zeigen: 90 Prozent würden sich selbst um eine Praktikumsstelle bewerben, und ein Schüler des neunten Jahrgangs der Lüdenscheider Realschule sei in den vergangenen Wochen täglich quer durch den Märkischen Kreis gependelt, um die Arbeit in einem Landmaschinenhandel in Balve kennen lernen zu können.
In der 9 c hatte zwar keiner der Schüler so weite Wege, doch anstrengend sei es für viele schon gewesen. Marco hat sein Praktikum in einem Malerbetrieb gemacht. Betreuungslehrer Wolfgang Henze war begeistert von seinem Schüler: „Marco hat ein ganzes Haus abgerissen", lobt er und der Junge erzählt, dass er nach dem Schwingen des Vorschlaghammers ziemlich geschafft war.
„Da konnte man allerdings seine Wut ablassen", sagt er scherzhaft. Für den späteren Beruf ist Marco wichtig, dass er keinen all zu langen Weg zur Arbeit hat. „Ich hab' morgens um 8 Uhr angefangen und bin erst um 16 Uhr wieder heimgekommen. Und wenn man dann noch eine Stunde Bus fahren muss, ist der Tag schnell vorbei." So ähnlich hat das auch seine Klassenkameradin Julia erfahren. Sie hat in der Küche des Mercure-Hotels gearbeitet und kam später nach Hause als zu Schulzeiten. „Ich habe ein Pferd und das ist in dieser Zeit schon zu kurz gekommen", gesteht sie.
Henrik durfte auf Dächern
herumklettern und Leitungen
verlegen.
Henrik und Fabian sind froh, dass ihnen in den Betrieben, in denen sie waren, viel Vertrauen entgegengebracht wurde. Henrik war bei einer Firma, die Heizungen und Solaranlagen installiert, und erzählt: „Ich durfte mit aufs Dach steigen, Kabel verlegen und verlöten."
Fabian war in einem Metall verarbeitenden Betrieb und hat unter der Anleitung eines Auszubildenden auch viel selbst gemacht.
Cindy dagegen war von ihrem Praktikum im Einzelhandel nicht begeistert: Alles sei vorgeschrieben gewesen, „wie man Kunden anspricht, was man sagen darf, was man nicht sagen darf. Ich musste genau so sein wie alle anderen." Das habe sich sogar bei der Kleidung, die sie im Geschäft tragen musste, fortgesetzt. „Ich brauche aber Freiheit in meinem Leben", überlegt sich Cindy ganz genau, ob diese Arbeitsbedingungen für sie das Richtige wären.
sac/axk; LN, 19. 02. 2009; Fotos: Krüger (2), Sachse