Theodor-Heuss-Realschule
Lüdenscheid

Foto: Gödde
Das Streitschlichter-Team der Realschule und die betreuende Lehrerin Miriam Förster lösen Konflikte.
Von Patrick Gödde
LÜDENSCHEID 15 Jahre und schon Vorbild für andere? An der Theodor-Heuss-Realschule ist das bereits Realität: Zwölf Streitschlichter aus den neunten Klassen kümmern sich in jeder Pause um die Sorgen und Streits der fast immer jüngeren Mitschüler. „Deswegen dürfen wir uns in den Pausen auch nicht kloppen", meint beispielsweise Clarissa vom Brocke lachend. Die 15-Jährige ist wie ihre meist weiblichen Mitstreiter seit März im Streitschlichter-Team. Im Frühjahr durchliefen sie zwei Schulungen außerhalb der Schulzeit und lernten, wie man mit den Problemen und den jungen Mitschülern umgeht. „Offen sein, sich einfühlen, auf einer Augenhöhe mit den Betroffenen" - das sind einige der Schlagworte, die die Schlichter nach und nach in den Raum werfen. Und: „Man muss auf die Gestik achten", sagt Natalie Gansäuer.
Der Streitschlichter darf keine Partei ergreifen, muss dem mutmaßlichen Opfer wie auch dem Täter offen gegenüber stehen. Es soll um die Sache gehen. Dabei haben es die Schlichter meistens mit Dingen zu tun, die eigentlich Kleinigkeiten sind: „Aber die Jüngeren wissen oft noch nicht, wie sie damit umgehen sollen", weiß Marvin Bloch. Max Wolff findet, „dass es meistens - nett ausgedrückt - oft merkwürdige Sachen sind".
Beispielsweise gab es mehrfach Streit, weil sich zwei Schüler über Wochen wegen einer Spielkarte in die Haare bekommen haben. „Schlimm war ein Fall, als ein Schüler den anderen mit dem Kopf gegen eine Säule geschlagen hat", sagt Miriam Förster. Die junge Lehrerin betreut seit April die Streitschlichter. Solche drastischen Dinge sind aber Einzelfälle.
Die Streitschlichter arbeiten immer in Zweier-Teams und holen die Betroffenen an einen Tisch. „Nach dem Gespräch soll es eine "Win-Win"-Situation geben", so Annchristin Sander.
Beide Parteien unterzeichnen einen Vertrag, niemand soll den Tisch mit dem Gefühl verlassen, dass es ungeklärte Dinge gibt. Und das funktioniert auch in den meisten Fällen.
„Die Streitschlichter sind auch stolz, wenn es klappt", weiß die Lehrerin. „Man fühlt sich ganz schön autoritär", sagt Clarissa vom Brocke lachend.
Zu den jüngeren Schülern an der Realschule baut sich zudem ein besonderes Vertrauensverhältnis auf, auch weil einige der Streitschlichter zusätzlich Paten sind, die die Neuankömmlinge an der Schule ein wenig einweisen. Einen ganz praktischen Nutzen für die berufliche Zukunft hat das Ganze für die Streitschlichter auch, denn: „Das wird auch auf dem Zeugnis vermerkt", 'so Miriam Förster.