Theodor-Heuss-Realschule
Lüdenscheid

Inmitten junger Menschen hat sie sich immer wohl gefühlt. Jetzt endet Jutta Rogolds (r.) letztes Schuljahr.
Foto: Kornau
Als wäre es aus kollegialer Solidarität: Mit Realschulrektorin Jutta Rogold geht auch der silberne „Theodor-Heuss-Realschule"- Schriftzug über dem Eingang und macht Platz für einen neuen. Doch während der neue Schriftzug farbig-fröhlich werden soll, kann die Rektorin mit der silbernen Kurzhaarfrisur noch nichts zu ihrer Nachfolge sagen: Die Ausschreibung ist gerade in die zweite Runde gegangen. Einschlägige Führungspositionen, gar in Lüdenscheid, lassen sich derzeit nicht ohne weiteres besetzen.
Was kommt oder nicht, muss sie nicht mehr kümmern, obwohl die Verbindung zum 38-köpfigen Kollegium, zu der Schule, die sie neun Jahre lang geleitet hat, bleiben wird. Da ist sie sicher. Sie schwärmt von dem guten Miteinander an dieser „Super-Schule", die von Anfang an funktioniert habe. Am Dienstag wird Rektorin Jutta Rogold offiziell verabschiedet. Die 61-Jährige geht in den Vorruhestand - nach 39 Jahren im Schuldienst. Dass diese Jahre begleitet waren von Respekt und Anerkennung, von gewachsenen Freundschaften, die über Zusammenarbeit hinaus gehen, zeigt die Tatsache, dass auch Kollegen von früher ihr Kommen zugesagt haben.
1948 in Fröndenberg geboren, wuchs Jutta Rogold in Iserlohn auf, wo sie bis heute wohnt. „Ich hab' als Kind schon Schule gespielt", erinnert sie sich. Lehrerin zu werden war eine natürliche Wahl und - im Rückblick - die richtige. Natürlich habe es immer Phasen gegeben, in denen man sich belasteter gefühlt habe, gibt sie zu. Doch die Lust am Beruf, am Lehren und Lernen, an Theorie und Praxis, hat das nie getrübt. Abi mit 18 Jahren, Studium in Münster und Heidelberg, Anwärterzeit in Düsseldorf - mit 24 Jahren trat die Englisch- und Erdkundelehrerin ihre erste Stelle an einer Realschule in Hohenlimburg an, wo sie 26 Jahre lang bleiben sollte. Doch der Reiz, noch einmal mehr zu wollen, war stärker als das Wohlfühlgefühl. Inzwischen geschieden, wurde sie zunächst für zwei Jahre Konrektorin in Iserlohn und kam im Jahr 2000 nach Lüdenscheid, an die THR mit ihren heute 652 Schülern. Sie kennt die Gesichter, oft auch die Namen. „Du da - das geht ja gar nicht", findet sie.
Autorität speist sich auch aus Interesse, aus Wertschätzung. „Ruhestand - das Wort ist schon komisch. Als ob das Leben vorbei wäre", sinniert sie über das, was kommt. Wenn es nach ihr geht, ist das einiges: Sie wandert gern durchs Sauerland und reist gern, vorzugsweise auf die Britischen Inseln. Lesen, Kino, Engagement in ihrer katholischen Heimatgemeinde -wenn sie, nach dem Stress der letzten Schultage „wieder auf dem Teppich" ist, wird sie sich einen neuen Alltag aufbauen. Hin und wieder wird sie dabei an die Schule erinnert werden. Wenn das Patenkind ihrem Rat folgt und Lehrerin werden sollte, zum Beispiel. „Man muss", das hat sie ihr mit auf den Weg gegeben, „fachlich kompetent sein, aber auch ein großes Herz für Kinder und Jugendliche haben."
Von Susanne Kornau