Theodor-Heuss-Realschule
Lüdenscheid
Eines Nachts lag ich in meinem Bett und konnte nicht schlafen, ich drehte mich in alle Richtungen, aber kam trotzdem nicht zur Ruhe. Draußen war es still wie immer, ich lebe hier mitten auf dem Land, hier fahren kaum Autos und keine Busse. Ich starrte an die Decke und versuchte zwanghaft zu schlafen, aber es ging nicht. Ich stand auf um Musik an zumachen, als ich eine CD gefunden hatte und die Musik anmachte, legte ich mich zurück ins Bett. Ich sah auf die Uhr, es war schon 1 Uhr in der Nacht. Ich hörte die CD, aber ich wurde einfach nicht müde, als die CD zu ende war, guckte ich nochmal auf die Uhr, es war schon halb 3, ich wusste nicht was los war, denn sonst kann ich immer so gut schlafen, nur diese Nacht nicht. Ich stand noch einmal auf um mir ein Glas Milch zu trinken, Mama hatte mir das immer als kleines Baby gebracht, damit ich besser schlafen kann. Ich ging die Treppe runter zum Kühlschrank und suchte nach der Milch, als ich sie gefunden hatte, nahm ich mir ein Glas, schüttete die Milch ein und ging wieder in mein Zimmer. Ich trank das Glas Schluck für Schluck leer. Es war jetzt schon kurz nach 3. Ich sah schon erste Strahlen der Sonne durch mein Fenster, sie strahlten an die Wand. Dann drehte ich mich um und versuchte weiter zu schlafen. Nacheiner Weile hörte ich einen lauten Motor, das Geräusch wurde lauter und lauter, bis es in einem schrillen Quietschen endete. Anscheinend direkt vor unserem Haus. Aber das konnte nicht sein, vor unserem Haus steht nie ein großes Fahrzeug und erst recht nicht um diese Uhrzeit. Trotzdem stand ich auf um aus dem Fenster zu schauen, ich konnte erst nichts erkennen, da die Sonne schon ein Stück aufgegangen war, doch dann sah ich ihn, einen großen gelben Schulbus, direkt vor unserem Haus, hier im nichts, wo sonst kein Bus lang fährt, hier steht er. Dann ging mit einem Zischen die Tür auf. Ich rannte die Treppe runter und zog mir nur meine Schlappen an, ich rannte zur Tür raus und ging langsam auf den Bus zu. Ich schaute hinein und sah eine Frau am Steuer sitzen, sie lächelte mir zu und sprach mit einer vertraulichen, sanften Stimme: „Komm doch hinein mein Kind, ich fahre mit Dir zu den Sternen." Ich konnte es nicht glauben, wie soll das gehen, zu den Sternen fahren, ich sagte nichts, sondern schaute sie nur an. „Komm schon, vertrau mir, ich fahr dich zu den Sternen." Es war unglaublich, aber trotzdem klang sie so, als meinte sie es wirklich ernst. Ich ging weiter auf den Bus zu, meine Knie zitterten. Als ich an dem Bus angekommen war, stieg ich ein, die Busfahrerin gab mir eine Karte, auf der etwas stand, was ich nicht lesen konnte, dann fuhren wir los. Ich suchte mir schnell einen Platz. Nach einer Weile hielten wir an und es stieg noch ein Junge ein, er bekam auch eine Karte. So ging es weiter, bis der Bus fasst voll war. Dann kamen wir an eine lange Straße. Die Busfahrerin sagte durch einen Lautsprecher, dass wir uns festhalten sollen. Also taten wir das auch, dann gab sie Gas, der Bus wurde schneller und schneller bis er anfing zu ruckeln und zu schaukeln, ich hatte Angst. Neben mir saß ein Junge, er sagt mir, sein Name sei Jeffrey, ich nahm seine Hand, weil ich Angst hatte. Nach kurzer Zeit hob der Bus ab, wir flogen über ein großes Feld.
Alle Kinder schauten aus den Fenstern, mit weit aufgerissenen Augen und offenem Mund. Es war ein tolles Gefühl alles von oben zu sehen. Wir sahen Autos, sie sahen aus wie Spielzeuge. Dann sah ich unser Haus, es war kaum noch zu erkennen, wir kamen den Sternen immer näher. Dann bemerkte ich, dass ich die Hand von Jeffrey immer noch hielt, ich sah ihn an und er lächelte, ich ließ seine Hand los und wurde leicht rot.
Nach einer Weile waren wir dann im Weltraum, wir fingen an zu fliegen, alles was nicht feste war, flog davon. Es war einfach ein tolles Gefühl, so leicht und schwere-los. Wir flogen durch den Bus und waren am lachen. Dann kamen wir zu den Sternen, wir flogen ganz nah an ihnen vorbei. Sie waren wunderschön. So hell und groß, sie sahen aus wie die Sonne. Wir flogen durch die Gegend, es schien, als würde die Zeit still stehen. Wir sahen hunderte Sterne, bis die Busfahrerin sagte, dass wir langsam wieder zurück müssen. Sie flog eine große Kurve um den Mond. Und wir flogen zurück in Richtung Erde. Wir kamen immer näher. Die Busfahrerin sagte, wir sollen uns auf unsere Plätze setzen und alles, was noch am schweben ist, festhalten. Das taten wir und kaum waren alle auf ihren Plätzen angelangt, war es auch vorbei mit der Schwerelosigkeit. Wir flogen durch die Wolken und wir sprachen über die Ereignisse, alle waren überwältigt und wussten nicht, was sie sagen sollen. Wir kamen dem Boden immer näher und erneut sagte die Busfahrerin, wir sollen uns anschnallen und festhalten. Wir flogen direkt auf die Straße zu, auf der wir gestartet waren. Der Bus wurde langsamer und setzte auf, die Reifen quietschten und es ruckelte ganz schön. Dann blieb der Bus stehen und wir fingen an zu klatschen. Dann fuhr der Bus weiter und brachte alle Kinder nacheinander nach Hause. Ich war die letzte, bevor ich ausstieg, ging ich zur Busfahrerin um mich zu bedanken. Dann stieg ich aus und ging zurück zu meinem Haus. Die Tür war noch einen Spalt offen. Ich ging die Treppe hoch in mein Zimmer. Ich legte mich ins Bett und schaute auf die Uhr. Es war 3 Uhr 15 mitten in der Nacht. Aber ich konnte nicht mehr viel überlegen, denn kaum lag ich in meinem Bett, schlief ich ein. Ich schlief tief und fest, bis ich die Stimme meiner Mutter hörte, sie rief: „Guten Morgen meine kleine, aufstehen, heute ist dein erster Schultag." Da fiel es mir wieder ein, es ist Montag, meine Einschulung. Ich stand auf und war hellwach, ich konnte mich genau an die letzte Nacht erinnern. Ich griff nach dem Glas, was ich in der Nacht auf meinen Tisch gestellt hatte, doch da war nichts. Ich dachte mir, dass Mama das bestimmt weggeräumt hat. Ich ging die Treppe runter und sah meine Mutter, wie sie in der Küche am arbeiten war. Ich setzte mich an den Tisch um zu frühstücken. Dann fing meine Mutter an zu erzählen, dass ich von einem Schulbus abgeholt werde, der extra für mich bei uns halten würde. Als ich komplett fertig war und gerade aus dem Haus gehen wollte, hörte ich ein vertrautes Geräusch, ich ging aus der Tür und da stand er, ein gelber Schulbus direkt vor unserem Haus.
Ich stieg in den Bus ein, ich blieb kurz stehen, dieses Gesicht, das kenne ich. Das ist die Busfahrerin aus meinem Traum, ich trat zu ihr und bekam eine Karte, auf der mein Name stand. Ich setzte mich auf den gleichen Platz wie in der Nacht. Dann fuhr der Bus los, ich kannte diese Strecke, ich war sie auch schon in der Nacht gefahren. Nach einer Weile blieb der Bus stehen, die Tür öffnete sich und Jeffrey kam herein, er setze sich neben mich und stellte sich vor, aber ich kannte ihn schon.
Bevor er seinen Namen sagen konnte, begrüßte ich ihn. Er schaute mich mit großen Augen an. Wir fuhren weiter, dann kamen wir an dem Feld vorbei, aber wir hoben nicht ab, sondern fuhren weiter, bis wir an der Schule waren. Wir stiegen aus und alle Kinder aus der Nacht waren da, sie waren alle in meiner Klasse. Wir verstanden uns alle gut.
Ich stelle mir immer noch jeden Abend die Frage, wieso ich, wieso die kleine 6 jährige Lisa, wieso hatte genau ich dieses Erlebnis.
Patrick (9d)